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Männliche Glasfrösche, wie Hyalinobatrachium uranoscopum, bewachen ihre Blattgelege. Foto: Axel KwetAuf eine sensationelle und unter Wirbeltieren einmalige Weise hatte sich der ausgestorbene australische Magenbrütende Frosch (Rheobatrachus silus) fortgepflanzt. Nach der Eiablage verschluckte das Weibchen sein befruchtetes Gelege und brütete es im Magen aus. Nach dem Schlupf blieben die Kaulquappen so lange im Magen, bis sie zu fertigen Fröschen herangewachsen waren. In dieser Zeit, etwa acht Wochen lang, ernährten sie sich ausschließlich vom Dottersack, während die Froschmutter überhaupt keine Nahrung zu sich nahm. Bei der Geburt wurden die fertigen Frösche einfach ausgespuckt.
In der Zeit der „Schwangerschaft“ unterdrückte eine hormonähnliche Absonderung der Eier und Larven die für den Nachwuchs tödliche Magensaftproduktion des Weibchens. Dieses Prostaglandin E2 verhinderte die Produktion von Magensekreten, vor allem Salzsäure. Die phantastisch anmutende Brutbiologie des Magenbrütenden Frosches sollte ursprünglich zur Behandlung von Magengeschwüren beim Menschen genutzt werden, doch leider kam es nicht zur Produktreife der Prostaglandin-Extrakte. Bereits neun Jahre nach seiner Entdeckung waren die natürlichen Populationen des Frosches aus ungeklärten Ursachen zusammengebrochen. 1984 verstarb das letzte in Gefangenschaft verbliebene Tier und seitdem gilt Rheobatrachus silus als ausgestorben.

Magenbrütende Frösche haben bezüglich ihrer Fortpflanzungsweise sicher eine der höchsten Entwicklungsstufen erreicht. Ihre Strategie bildet aber nur die „Spitze des Eisberges“, denn bei keiner anderen Wirbeltiergruppe tritt eine vergleichbare Vielfalt an Fortpflanzungsformen auf. Das gut bekannte Schema unserer einheimischen Froschlurche – Ablage und Entwicklung der Eier und Kaulquappen in stehenden Gewässern – ist lediglich eine Möglichkeit, wenn auch die in Europa bei weitem häufigste. In den Tropen dagegen ist nicht nur die Anzahl der Froscharten, sondern auch die der Fortpflanzungsstrategien deutlich größer.

Mindestens ein Viertel aller bekannten Froschlurche verzichtet auf das wasserlebende Kaulquappenstadium und pflanzt sich auf eine terrestrische Weise fort. Viele Arten legen ihre Eier einfach offen auf Blättern und unter Steinen ab oder in speziellen Blattnestern aus mit Eileitersekreten verklebten Pflanzenteilen. In über 20 Froschgattungen ist der Bau eines Schaumnestes typisch, in dem sich die Eier gut geschützt vor Austrocknung, Sonneneinstrahlung und Feinden entwickeln.
Bei der unter Fröschen am weitest verbreiteten Fortpflanzungsform (z.B. bei der größten Wirbeltiergattung Eleutherodactylus) verläuft die gesamte Larvenentwicklung innerhalb der Eihülle, von der befruchteten Eizelle über die Larve bis hin zum fertigen Jungfrosch. Gerade diese so genannte direkte Entwicklung ist eine äußerst erfolgreiche Strategie, denn die Frösche sind unabhängig von offenem Wasser und entgehen damit auch den vielfältigen Gefahren, die im aquatischen Milieu lauern.

Eine weitere Entwicklungsstufe haben jene Froschlurche erreicht, die lebendgebärend sind, deren Eier und Larven also bis zur Metamorphose im Eileiter der Mutter zurückgehalten werden. Diese Frösche sind entweder ovovivipar (ei-lebendgebärend; d.h., die Jungen schlüpfen bei der Geburt aus ihren Eihüllen) oder vivipar (echt lebendgebärend; d.h., die Larven werden bis zur Geburt durch ein spezielles Eileitersekret ernährt, ähnlich wie in einer Säugetierplazenta).

Bei vielen Froschlurchen kümmern sich die Eltern nach der Eiablage in irgendeiner Form um ihre Brut. Bisher ist zwar erst bei 6 % aller Arten Brutfürsorge oder Brutpflege nachgewiesen, doch wird dieser Prozentsatz mit Sicherheit ansteigen, sobald die Biologie der vielen, in dieser Hinsicht noch unerforschten Anuren erst besser bekannt ist. In Europa aber weichen tatsächlich nur wenige Amphibien vom ursprünglichen Schema der Fortpflanzung ab, wie die vom Aussterben bedrohte Mallorca-Geburtshelferkröte (Alytes muletensis). Diese Art wurde urspünglich an Hand von Fossilien beschrieben und erst später auch lebend auf der Mittelmeerinsel entdeckt. Am Stuttgarter Naturkundemuseum wurde Alytes muletensis im Rahmen eines Schutzprogrammes erfolgreich nachgezüchtet und wieder ausgewildert. Ihre Fortpflanzung verläuft ähnlich wie die unserer einheimischen Alytes obstetricans und der anderen in Spanien verbreiteten Geburtshelferkröten. Bei der Paarung wickeln sich die Männchen die befruchteten Laichschnüre um ihre Hinterbeine und tragen sie 3-6 Wochen lang mit sich.

Anders als in gemäßigten Breiten haben sich speziell in den Tropen noch viele weitere Formen der Brutpflege entwickelt. Die Männchen vieler Arten besetzen Reviere, die sie zusammen mit ihrem Nachwuchs verteidigen, bei anderen ist es das Weibchen, das die Nachkommen bewacht. Auch ein gezielter Transport des Nachwuchses durch einen oder beide Elternteile kommt in mehreren Froschfamilien vor, zum Beispiel bei den an Land laichenden Pfeilgiftfröschen (Dendrobatidae). Bei einigen dieser Arten füttert das Weibchen seine Larven mit Eiern, und manche Arten sind dermaßen spezialisiert, dass die Larven nichts anderes mehr als spezielle unbefruchtete Nähreier fressen. Eine der interessantesten Brurpflegeformen haben die neotropischen Laubfrösche der Unterfamilie Hemiphractinae entwickelt, deren Weibchen ihren Nachwuchs in speziellen Bruttaschen, Hautfalten oder offen auf dem Rücken mit sich tragen. Überaus spektakulär verläuft auch die Fortpflanzung der aquatischen Wabenkröten Südamerikas (Gattung Pipa), deren Eier sich innerhalb der Rückenhaut des Weibchens entwickeln.