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Bauplan Frosch

Jeder Frosch, hier ein Grasfrosch, ist leicht als solcher zu erkennen. Foto: Axel KwetDer hoch spezialisierte Skelett-Muskel-Apparat der Frösche mit einer zum Körperende hin verlagerten Antriebskraft ermöglicht vielen Arten rekordverdächtige Höchstleistungen. Beispielsweise vermag der riesige Goliathfrosch (Conraua goliath) in nur einem Satz über 5 m weit zu springen. Viele der kleineren Froscharten vollbringen in Relation zu ihrer Körpergröße noch extremere Leistungen. So erreichen afrikanische Springfrösche (Ptychadena oxyrhynchus) in drei Sätzen (also im "Frosch-Dreisprung") Weiten von bis zu 10 m. Bei amerikanischen Laubfröschen (Acris gryllus) wurden Sprunghöhen bis zur 62-fachen Körperlänge und bei einer Art aus Neuguinea (Litoria nasuta) Weiten bis zur 46-fachen Körperlänge gemessen. Um Vergleichbares zu leisten, müsste ein Mensch 120 m hoch oder 85 m weit springen.

Das Springen durch synchrones Strecken der Hinterbeine hat, im Gegensatz zu der bei Wirbeltieren vorherrschenden alternierenden Bewegung der Extremitäten, insbesondere bei der Flucht vor Feinden Vorteile, ist aber auch für die Beutebeschaffung von Nutzen. Nicht alle Froschlurche allerdings sind gute Springer. Einige von ihnen, wie die meisten Kröten, haben diese Fähigkeit sekundär wieder verloren und bewegen sich schreitend oder mit kurzen "Hüpfern" fort. Manche Arten sind auch zu einer rein aquatischen Lebensweise zurückgekehrt - Frösche sind neben uns Menschen die einzigen Lebewesen, die im Wasser ihre Hinterbeine nach dem Prinzip des Brustschwimmens bewegen. Andere wiederum führen eine vornehmlich ruhende, am Boden auf Beute lauernde Lebensweise. Viele dieser meist kräftig gebauten Erdbewohner "schaufeln" sich mit Hilfe ihrer Fersenhöcker an den Hinterbeinen rückwärts in den Boden hinein, während andere mit konisch zulaufendem Körper und verknorpelter Schnauzenspitze voran durchs Erdreich kriechen.

Zahlreiche Anuren aus ganz unterschiedlichen Familien sind baumbewohnend und einige haben bis zu einem gewissen Grad sogar den Luftraum erobert. Ruderfrösche (Rhacophoridae) sind durch kräftig ausgebildete Spannhäute zwischen Fingern und Zehen zu Gleitflügen befähigt, die bei Fallhöhen von 5 m immerhin Weiten von 8 m erreichen und auch 180-Grad-Wenden beinhalten. All diese vielfältigen Anpassungen beruhen nicht auf neuen Grundkonstruktionen des Körperbaus, sondern dokumentieren den "Erfindungsreichtum" der Natur, wenn es darum geht, mit einem schon vorhandenen, bewährten Bauplan neue ökologische Nischen und spezielle Habitate zu erobern.

Springen statt Kriechen, dies war eine entscheidende Schlüsselerfindung in der Entwicklung der Frösche. Die evolutive Neuerung, die die Anuren von allen anderen Amphibien unterscheidet, ermöglichte eine weltweite Ausbreitung dieser Gruppe und erwies sich als so erfolgreich, dass der "Bauplan Frosch" seit 200 Millionen Jahren praktisch unverändert ist. Der gegenüber den kriechenden Vorfahren stark modifizierte, an die neue Fortbewegungsart angepasste Körperbauweise ist vermutlich auch die Ursache dafür, dass kein Frosch größer wird als etwa 30 cm. Nur wenige erreichen eine Körperlänge von über 15 cm, die allermeisten nicht mehr als 3-4 cm. Der Grund für das Größenlimit bei Anuren dürfte also in ihrer spezialisierten, springenden Lebensweise zu suchen sein. Durch die Konkurrenz mit anderen Wirbeltieren besetzen Frösche ökologische Nischen, die das Wachstum über eine bestimmte Größe hinaus unzweckmäßig machen.