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Grüne Sympathieträger

Der australische Korallenfinger-Laubfrosch, Litoria caerulea, ein echter Sympathieträger. Foto: Axel KwetTextabschnitte der Seiten Frösche und Co. sind dem gleichnamigen Heft entnommen: Axel Kwet & Andreas Schlüter (2002): Frösche und Co. - Froschlurche: Leben zwischen Land und Wasser. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie C (Wissen für alle), Heft 51, Stuttgart, 104 Seiten, zahlreiche Farbfotos, 7.00 Euro.

"Diese widerlichen, ekelerregenden Tiere sind verabscheuungswürdig wegen ihres kalten Körpers, der bleichen Färbung, des knorpeligen Skeletts, der schmutzigen Haut, der grimmigen Erscheinung, des berechnenden Auges, des anstößigen Geruchs, der mißtönenden Stimme, des verwahrlosten Auftretens und des gefährlichen Gifts. Deshalb hat ihr Schöpfer seine Kraft an ihnen nicht vergeudet und nur wenige hervorgebracht".

Mit diesen berühmten Sätzen beschreibt der schwedische Naturforscher CARL VON LINNÉ 1758 in seiner zehnten Auflage der "Systema naturae" die Amphibien und Reptilien. Der Altmeister der Zoologie hätte sich wohl kaum erträumt, zu welch beachtlicher Popularität es die Lurche einmal bringen würden. Heute sind die "kahlen, schleimigen und kalten" Wirbeltiere "in", wie zum Beispiel niedlich aussehende Laubfrösche beweisen, die mit großen Kinderaugen für Reisebüros, Druckerpatronen oder Zeitschriftenabonnements werben. Das ungleiche Aufeinandertreffen von Erdkröten und Grasfrösche mit dem Straßenverkehr, sichtbar an Krötenzäunen und Warnschildern, nicht selten auch an Untertunnelungen und Straßensperrungen, ist im Frühjahr Thema der Tagespresse und hat bei uns mittlerweile einen großen Teil der Bevölkerung für den Amphibienschutz sensibilisiert.

Die steigende Beliebtheit von Amphibien beruht vor allem auch darauf, dass sich immer mehr Menschen mit diesen Tieren beschäftigen, sei es durch die moderne Gartenteichkultur oder die Terrarienkunde, die in den letzten Jahren einen rasanten Aufschwung erfuhr. Heimtierhaltung ist gegen die Entfremdung der Menschen von der Natur ein ernst zu nehmender Erziehungsfaktor, wie bereits Nobelpreisträger KONRAD LORENZ wusste. Herpetologen - also Wissenschaftler, die die Amphibien und Reptilien erforschen - und engagierte Terrarianer sind in Vereinen und Arbeitsgemeinschaften organisiert, um die oft nur spärlichen biologischen Kenntnisse zu mehren. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) ist mit über 8000 Mitgliedern weltweit die größte Vereinigung ihrer Art.

Nach dem bekannten Motto "es lässt sich nur schützen, was man auch kennt" trägt die herpetologische Forschung zum Überleben dieser in der Natur oft bedrohten Tiere bei. Der Begriff des "Amphibian Decline" ist zu einem wissenschaftlichen Schlagwort geworden und weltweit arbeiten Forscher daran, die noch immer ungeklärten Ursachen des Amphibienrückgangs zu verstehen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Der Schutz ist nicht nur aus rein ethischen und ästhetischen Gesichtspunkten sinnvoll, sondern auch, weil wir Amphibien als Schädlingsvertilger und Arzneimittelproduzenten, als Froschschenkel-Lieferanten und Forschungsobjekte nutzen. Vor allem aber, weil Frösche ein wichtiges Glied in der Nahrungskette vieler Ökosysteme sind und einen sensiblen Indikator für den Zustand unserer Umwelt darstellen. Zu unserem ganz eigenen Nutzen sollten die "grünen Sympathieträger" wieder auf "einen grünen Zweig kommen".